Odissi

Odissi TänzerinOdissi ist ein sehr alter und zugleich junger Tanz. Er kann über 2000 Jahre zurückverfolgt werden. Der Tanz wurde in Tempeln von den Tempeldienerinnen (Devdasis, in Orissa Maharis) kultiviert. Mit ihrem Tanz ehrten und unterhielten sie die Götter. Im Laufe der Jahrhunderte erlitt der Tanz einige Rückschläge, so dass er im 20. Jahrhundert beinahe ganz verschwunden war. Erst in den 50er des letzten Jahrhunderts fand er wieder als klassischer Tanz Beachtung.

Alle indischen Tänze gehen auf klassische, meist in Sanskrit verfasste Schriften zurück, die bis zu zweitausend Jahre alt sind. Das Urwerk dieser Schriften ist Natya Shastra, der Abhinaya Drapana ist eine spätere Ergänzung dazu.

Die klassischen Tänze differenzieren zwischen verschiedenen Tanzaspekten: Nrittya und Nritya.

Nrittya besteht aus reiner Tanztechnik. Hier dominiert Fußarbeit. Durch Schritte und Posen werden Figuren in Raum und Zeit dargestellt und variiert. Im Gegensatz dazu steht Nritya (Abhinaya), der darstellende Tanz. Hier werden Geschichten aus der indischen Mythologie gezeigt. Der Tänzerin stehen dafür die charakteristischen Posen, die Mudras (Handgesten) und die persönliche Ausdrucksstärke zur Verfügung, wobei besondere Bedeutung den Augen- und Kopfbewegungen zukommt .

Odissi TänzerinDas charakteristische an Odissi sind die weichen und fließenden Bewegungen, die jedoch sehr erdbetont und kraftvoll getanzt werden. Der Tanz ist eine Symbiose aus den zwei Aspekten lasya (weiblich) und tandava (männlich). Diese wird auch in den zwei Hauptstellungen, dem Triphangi und dem Chowk, wider gespiegelt.

Die Triphangi-Pose findet man in den Skulpturen der Tempelanlagen des alten Indiens. Sie ist charakterisiert durch die dreifache Krümmung; gebeugte Knie, die zur Seite raus geschobene Hüfte und der seitlich geneigte Kopf.

Der Chowk spiegelt den männlichen Aspekt wider; die Füße stehen hüftbreit, nach außen gedreht auf einer Linie und die Knie sind stark gebeugt, wohingegen der Oberkörper gerade bleibt. Das spezielle und besondere am Odissi ist der Gegensatz der sehr weichen Oberkörperbewegungen, die sich besonders durch die Schulter- und Kopfneigung hervortun und der starken und kraftvollen Bewegungen der Beine.

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