Der klassisch-indische Tanz

Der klassische indische Tanz verfügt über sehr viele verschiedene Facetten. Jede Region Indiens, jede Volksgruppe hat  eigene Tänze. Man findet  Solotänze, Volks- und Ritualtänze,  aber auch komplex choreographierte Gruppentänze. So unterschiedlich die Tänze sind, so haben sie doch Gemeinsamkeiten: ein sich ähnelndes Bewegungsrepertoire und das Aufgreifen der indischen Mythologie. Der klassische indische Tanz handelt von Göttern und Dämonen, Helden und Schurken, Prinzen und Prinzessinnen.
Odissi Tanz - Trio NoaemDie klassischen indischen Tänze waren ursprünglich zum Großteil Tempeltänze, die von Tempeldienerinnen, den Maharis oder Devadasis, zur Ehrung der indischen Gottheiten dargeboten wurden. Ihre Ursprünge gehen bis ins zweite Jahrhundert v. Chr. zurück. Eine Ausnahme bildet hierbei allerdings der Kathak, der als reine Unterhaltungskunst an den Höfen der Mogulnherrscher aufgeführt wurde.

Da die britischen Besatzungsherren jegliche Form von Tanzaktivitäten mit Prostitution gleichsetzten, wurden die Tänze zunächst in Verruf gebracht und schließlich verboten. Erst mit dem Aufleben der indischen Nationalbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts gewannen die klassischen Tänze wieder an Bedeutung. Verschiedene Bewegungen zur Rekonstruktion der alten Künste entstanden. Mit Hilfe von uralten Regelwerken - das bekannteste ist das Natya Shastra - mündlichen Überlieferungen und Aufzeichnungen in Tempeln (z.B. Skulpturen) wurde der Tanz zu dem, was wir heute kennen.

In Indien sind acht verschiedene Stile anerkannt (Kathak im Norden, Manipuri in Mainpur, Sttriya in Assam, Odissi in Orissa, Kuchipudi in Adhra Pradesh, Bharata Natyam in Tamil Nadu, Mohiniattam und Kathakali in Kerala). Die unterschiedlichen Tanzstile sind den verschiedenen Regionen Indiens zuzuordnen. Sie unterscheiden sich in Grundposition und Schritten. Gemeinsam haben sie ein hochkomplexes Regelwerk an Positionen, Schritten, Torso-, Arm- und Handbewegungen (Mudras oder auch Hastas). Auch der Gesichtsausdruck mit den entsprechenden Augenbewegungen ist vorgeschrieben. Mit Hilfe dieser Techniken werden Geschichten aus der indischen Mythologie getanzt. Heutzutage haben die klassischen indischen Tänze wieder eine große soziokulturelle Bedeutung erlangt, der Ort des Geschehens hat sich jedoch verlagert. Getanzt wird nicht mehr in Tempeln sondern auf der Bühne.

Warda - Odissi TanzBeim Bollywood Tanz nimmt der klassische indische Tanz eine besondere Stellung ein und klassische Tanzelemente sind sehr häufig vertreten. Nicht nur bedienen sich die Choreographen an den umfangreichen Handbewegungen den Mudras, um so eine kleine Episode zu erzählen, auch viele Posen und Schritte sind den verschiedenen Stilen des indischen Tanzes entnommen. Die meisten der bekannten Schauspieler können auf eine Ausbildung im klassischen indischen Tanz zurückblicken.