Der indische Filmtanz

Trio NoaemWie der Name Bollywood ist auch der Tanz eine Mischung aus Traditionellem und Neuem. Hier finden sich Elemente aus dem klassisch-indischen Tanz, Orientalischem Tanz, Salsa, Mambo, Ballett und modernen Tanzformen wie Hip Hop und Jazz Dance. Lange Zeit waren die klassischen indischen Tänze und die verschiedenen Folkloretänze (vor allem Bhangra und Rajasthani Folklore) die beherrschenden Elemente der Filmtänze. Um die Bedeutung des klassischen indischen Tanzes im Bollywood Tanz verstehen zu können, ist es hilfreich sich mit dem klassischen indischen Tanz zu beschäftigen, denn dieser Einfluss überwiegt vor allem. Immer scho konnte man aber auch Elemente zeitgenössischer Modetänze erkennen, so wurde zum Beispiel in den 60ern viel getwistet. Inzwischen nehmen westliche Stilrichtungen wie Hip Hop, Video-Clip-Dancing oder der gute alte Disco-Dance einen hohen Stellenwert ein. MTV spielt bei den Tanzszenen keine unbedeutende Rolle. Da Hollywood der Maßstab für indische Filme ist, kann sich wohl jeder vorstellen, dass der Blick der Choreographen von MTV nicht ganz abweichen kann. Je nach Thematik des Filmes sind die Ausprägungen der verschiedenen Stile natürlich unterschiedlich.

Indian LovestoryDie Zensur im indischen Film war besonders in den letzten Jahren sehr streng. Alles was nicht gezeigt werden kann, so z.B. Kussszenen oder noch unanständigeres wird oft durch den Tanz kompensiert. So kann man bildhübsche Frauen bewundern, die im nassen Sari zu tanzen beginnen … (dazu muss man nun nichts mehr sagen). Herbert Krill vom Arte-tv schreibt dazu: „Tänze und Gesänge voller Melancholie, Traurigkeit, Verzweiflung, erotischer Verzückung oder Glückseligkeit werden zu einer kodierten Sprache, einem Vektor der Emotionen, einem Substitut für den Liebesakt“. Dies ist die eine Seite der Tänze. Keine Seltenheit sind aber auch fetzige, mitreißende Tanzszenen, bei denen einfach die Lebensfreude zu Tage kommt. In den lezten Jahren hat sich jedoch das Bild gewandelt und man sieht immer mehr Schauspielerinnen in kurzen Röcken und der Tanz ist manchmal sogar ein getanztes "Vorspiel".

Nicht nur Frauen tanzen, auch die Männer zeigen ihr Bestes. Alle möglichen Personen in einem Film können eine Sing- und/oder Tanzszene bekommen. Der Verrückte im Dorf, der Opa, das kleine Mädchen, der Polizist und die böse Schwiegermutter. Dabei müssen diese Szenen nicht unbedingt in den Handlungsverlauf eingebaut sein. Wenn sie auch zumeist die Handlung kommentieren. Ortswechsel sind dabei keine Seltenheit. So spielen  die Szenen mal zwischen den Bergblumen (die Bergkulisse scheint besonders exotisch und romantisch zu sein) oder auf Autos oder in prachtvollen Villen.

Hum Dil De Chuke SanamDas Tanzpaar (darum dreht es sich meist) ist manchmal alleine, oft jedoch mit vielen, vielen BackroundtänzernInnen zu sehen. Die Kostüme der Tänzer können innerhalb eines Liedes bis zu vier- fünfmal gewechselt werden.

Der Tanz gilt als Gestaltungsmittel, der die Gefühle der Zuschauer noch verstärken soll. Demnach ist der Aufwand für eine Tanzszene oft enorm. Bei dem Film Hum Dil Se Chuk Sanam wirken zum Beispiel 200 Tänzer und Tänzerinnen mit.

Enorm aber ist die Geschwindigkeit der Tänze. Dies wird durch die häufigen Schnitte auch noch verstärkt. Hat man eine Bewegung erkannt, kommt (meistens viel zu früh) schon die nächste. Wir sind froh, dass es die slow-motion Funktion bei DVD-Playern gibt. Beim Ausarbeiten einer Choreographie stoßen wir oft  an die Toleranzgrenze, obwohl wir die Musik um mindestens 10% verlangsamt haben. Aber wenn der Tanz dann erstmal steht, ist es einfach wunderbar. Und die Musik lädt  zum Tanzen ein.